Benefizkonzert „Am Rande mittendrin“

18. November 2026, 19:00 Uhr | Marmorsaal, Schloss Mirabell, Salzburg

Am Rande der politischen Wertschätzung, aber mittendrin in unserer Gesellschaft sind die Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten, bringen nicht nur ihre Geschichten und Erfahrungen mit, sondern auch einen großen kulturellen Reichtum. Sie stehen vor der Herausforderung, in einer neuen Umgebung Perspektiven für ihr Leben zu entwickeln und ihren Platz in der Gesellschaft zu finden.

Um die therapeutische Weiterarbeit und damit die psychische Stabilisierung und gesellschaftliche Teilhabe dieser Menschen zu ermöglichen, veranstaltet der Verein Hiketides ein Benefizkonzert.

Es erwarten Sie:

  • Lateinamerikanische und spanische Gitarrenimprovisationen von Victor Toral
  • Iranische Mikrotöne mit Ney, Daf und Stimme – Georg Degenhardt, Nazeh Nasrin, Behzad Tograei
  • Kurdische Stimmgewalt mit dem Duo Sultan Tezel und Jano Mosso
  • Ukrainische Lieder mit Yulija, Alija und Milena Tsivkovskaja aus dem Hiketides-Team
  • Klavierstücke zu vier Händen mit dem Duo Madl, dem Nachwuchs aus dem Hiketides-Team

Darüber hinaus hören Sie Texte von Asma Ismaelzada, Hadil Shami und Jwan Haji aus der Hiketides-Schreibwerkstatt.

Moderiert wird der Abend von Gudrun Doringer/SN.

Der gute Zweck:
Mit dem Erlös aus diesem Konzert wird die therapeutische Arbeit des Vereins Hiketides unterstützt – Psychotherapie und psychologische Begleitung für Menschen nach Migration, Flucht und Trauma.

Tickets & Infos
Eintritt: € 30
Kartenbestellung unter: office@hiketides.at

Wir freuen uns auf Sie!

Dr. Alexander Friedmann Preis 2026 für HIKETIDES

Fotocredit: ESRA

Wir freuen uns sehr über die Verleihung des Dr.-Alexander-Friedmann-Preises 2026 an HIKETIDES für unser Projekt „Dazwischen Verstehen – Die therapeutische Triade im interkulturellen Kontext“.

Der Dr.-Alexander-Friedmann-Preis wurde heuer bereits zum 17. Mal vergeben. Er erinnert an Dr. Alexander Friedmann, Mitbegründer des Psychosozialen Zentrums ESRA und der Ambulanz für Transkulturelle Psychiatrie am AKH Wien. Dr. Friedmann war ein Pionier in der psychosozialen Versorgung schwer traumatisierter Menschen und setzte wichtige Impulse für die transkulturelle psychiatrische und psychotherapeutische Arbeit.

Die feierliche Preisverleihung fand am 14. September 2026 im AKH Wien im Rahmen der Wiener Vorlesungen zur Sozialpsychiatrie statt. Nach der Laudatio von em. O. Univ.-Prof. Dr. h.c. mult. Dr. med. Siegfried Kasper nahm Mag. Michael Schreckeis als stv. Obmann von HIKETIDES den Preis entgegen.

Die Auszeichnung unseres Projekts freut uns sehr. Sie ist für uns eine wertvolle Anerkennung unserer langjährigen Arbeit mit Menschen mit Flucht- und Migrationserfahrung und unterstreicht die Bedeutung einer professionellen, kultursensiblen und dolmetschgestützten psychotherapeutischen Begleitung.

Wir bedanken uns herzlich bei der Jury und allen Verantwortlichen des Dr.-Alexander-Friedmann-Preises für diese besondere Auszeichnung.

Mehr Informationen zur Preisverleihung gibt es bei ESRA.

Laudatio Prof. Kasper

Der Kardamomduft meiner Erinnerung

Ich war 26 Jahre alt, als ich das erste Mal das Gefühl hatte, unsicher zu sein.

Das Gefühl von Angst und das Wissen, dass wir nur Spielzeuge in den Händen der Machthaber sind überfluteten mich.

„Und jedem Anfang wohnt in mir ein Zauber inne“, 

Es geht aber dieses Mal nicht nur um Zauber, der das Unmögliche möglich macht, sondern um den Mut, den ich finden muss, um zu leben und um Fantasie und Hoffnung. 

Ich habe Rollenspiele gespielt und daran geglaubt, dass alles in Ordnung ist, ich bin sicher: ich werde es schaffen.

Heute, am 11. April, beginne ich mit dem Mut weiterzumachen, weiterzugehen.

Aber ich weiß nicht einmal, ob heute wirklich der 11. April ist, oder ob ich noch in einem Traum bin und bald wieder aufwache. Ich sehe mich zuhause auf meiner Terrasse, mit meiner Mutter und mit arabischem Kaffee, der nach Kardamom riecht, und ich erzähle ihr, wie der Tag meiner Kinder in der Schule war, und wir lachen.

Ich lebe nicht in der Fantasie, sondern ich bin ein Mensch, der viel erlebt hat und schöne Träume hat und daran glaubt, dass das Schönste immer am Ende kommt.

Hadeel Shami, Schreibwerkstatt März 2026

Lass meine Seele frei!

Wie schwer das ist.

In einem gesperrten Raum findest du ein Loch in der Wand und stellst dir dich in Freiheit vor. Wo du dich lebendig fühlst. Wo ich atmen kann.

Siehst du mich? Kannst du bisschen näher kommen?

Ich gebe dir meine Seele in die Hand.

Lass Sie bitte frei, sie soll nicht mehr an mich, an diese lebende Leiche, denken.

Dieser Körper ist nur ein Raum, wie dieser Bilderrahmen, welcher seit Jahren bei mir an der Wand hängt, der so viel Staub angesammelt hat. Du kannst aber diesen Staub wegwischen, um zu sehen, wie auch ich mal lachen konnte.

Gibt es eine Zukunft für mich, für eine eingesperrte lebende Leiche?  – so gerne hätte ich Hoffnung!

LASS MEINE SEELE FREI!

Dr.In  Asma Ismaelzada, Gynäkologin, Kabul, seit 2012 in Österreich; eine Nostrifizierung war nicht möglich; Dolmetscherin bei Hiketides

Dieser Text entstand im Rahmen eines Schreibworkshops im März 2024. 

Damit meine Geschichte nicht verloren geht

Ich habe meine Geschichte nicht gewählt.

Ich habe nicht gewählt, den Krieg zu erleben.

Nicht die Explosionen.

Nicht die Nächte voller Angst.

Nicht die Stille danach- eine Stille, die lauter war als jeder Knall, gefüllt mit den

Geräuschen des Todes.

Und trotzdem musste ich vor meinen Kindern lächeln.

Musste ihnen sagen, dass alles in Ordnung sei.

Dass wir noch leben. Dass wir sicher sind.

Ich musste meine Angst verstecken, meine Tränen trocknen, während das einjährige

Kind meiner Nachbarin starb.

Ich musste Anrufe ignorieren und bin mit meinen Kindern nicht in den Keller

gegangen, um sie davor zu schützen, die schlimme Realität zu hören.

Damit sie nicht zu einer weiteren Geschichte über Kinder werden, die lebendig unter

den Trümmern eines Hauses gestorben sind – eines Hauses, das einmal ein

Zuhause war.

Also drehte ich die Musik laut auf.

Ich tanzte mit ihnen, mit einem weinenden Herzen und einem falschen Lächeln.

Ich erzählte schöne Geschichten über ein Land, das einmal unser Zuhause war.

Ein Land, das damals Syrien hieß.

Ich habe sicher nicht gewählt.

Ich habe nicht gewählt, dass meine Kinder all das sehen mussten, all das erleben

mussten.

Ihre Augen waren viel zu jung, um zu begreifen, was um sie herum geschah.

Zu jung, um den Tod kennenzulernen.

Zu jung, um zu verstehen, warum ihre Freunde plötzlich verschwanden.

Freunde, die sie liebten.

Ich habe nicht gewählt, dass mein Mann uns verlassen musste – aus Angst, dass wir

mit ihm sterben könnten.

Im Meer. In einem Lastwagen, atemlos.

Auf der Flucht in eine Freiheit, die niemand garantieren konnte.

Und ich habe nicht gewählt, zwei Jahre im Krieg zu bleiben.

Zwei Jahre allein mit drei kleinen Kindern, die noch an Spielplätze glaubten, frei von

Pistolen.

An Straßen ohne Bomben.

An einen blauen Himmel, unter dem Flugzeuge Menschen bringen – nicht den Tod.

Ich habe meine Geschichte nicht gewählt.

Nicht einmal den Tag, an dem ich mein Zuhause verließ und die Tür hinter mir

schloss.

Meine Kinder mussten ihre Lieblingsspielzeuge zurücklassen. Kleine Dinge, aber für

sie war es eine ganze Welt.

Ich wusste nicht, ob es besser werden würde.

Ich wusste nur, dass wir gehen mussten.

Ich habe nicht gewählt, meine Mutter zurückzulassen.

Meinen Bruder.

Meine kleine Nichte, die gerade erst laufen lernte.

Meine Freundin aus Kindertagen, mit der ich unzählige Male Kaffee getrunken habe.

Die Straßen meiner Kindheit.

Die Schule, in der ich groß geworden bin.

Und ich habe sicher nicht gewählt, dass meine Kinder all das ebenfalls verlassen

müssen.

Ich habe mir nicht ausgesucht, Ausländerin zu sein.

In einem neuen Land zu stehen, mit einer Sprache, die mir fremd war,

und einem Leben, das ich von vorne beginnen musste,

nachdem ich alles verloren hatte wegen etwas, das ich nie gewählt habe.

Die Nächte waren still. Zu still.

Ohne Familie. Ohne Freunde.

Es gab nur einen Wunsch:

dass meine Kinder überleben.

Und ich musste stark sein,

Und ich musste stark sein, auch in Momenten, in denen ich innerlich zerbrach.

Ich habe diese Geschichte nicht gewählt.

Und doch ist sie meine.

Sie lebt in meinen Erinnerungen,

in meiner Stimme,

in jedem Schritt, den ich heute gehe.

Aber ich habe gewählt, wie ich weitergehe.

Ich habe gewählt, ein Licht am Ende dieses dunklen Tunnels zu sehen.

Ich habe gewählt, nicht aufzugeben.

Für mich.

Für meine Kinder.

Auch wenn jeder Schritt schwer war.

Ich habe gewählt, Hoffnung zu tragen,

selbst wenn sie nur leise in mir flackerte.

Ich habe gewählt, meine Augen zu schließen,

wenn mir feindliche Blicke begegneten,

und meine Ohren,

wenn Worte fielen, die verletzen sollten.

Und ich gehe weiter.

Weil ich gewählt habe, zu leben.

Heute erzähle ich meine Geschichte

nicht nur mit Schmerz,

sondern mit Würde.

Mit Mut.

Und mit der Kraft, weiterzugehen.

-Hadil Shami

Schreibwerkstatt 2026

Freiheit – Illusion oder eine innere Wahrheit

 Was ist Freiheit? Ist sie etwas Greifbares, das man besitzen kann, oder nur ein Gefühl, das uns durch den Kampf begleitet? Vielleicht ist Freiheit viel komplizierter, als wir denken. 

Man kann frei sein und sich dennoch gefangen fühlen. Äußere Freiheit bedeutet nicht immer innere Freiheit.

Gesellschaftliche Normen, Erwartungen oder Ängste können uns in unsichtbare Ketten legen. Ein Mensch kann scheinbar alles haben, Geld, Macht, die Möglichkeit zu reisen, und sich dennoch wie ein Gefangener fühlen. Andererseits kann jemand in einer Zelle sitzen, physisch eingesperrt, aber in seinen Gedanken frei sein. Das[HM1]  Verantwortungsgefühl gegenüber der Familie und den Liebsten kann einschränkend wirken und einem die Freiheit nehmen.

Der Geist kann Grenzen überschreiten, Träume können Mauern durchbrechen.

Freiheit beginnt im Kopf, in unserer Vorstellungskraft, in unserem Mut, anders zu denken.

Wahre Freiheit bedeutet nicht nur, tun zu können, was man will. Sie bedeutet auch, sich nicht von äußeren Zwängen und inneren Ängsten bestimmen zu lassen.

Vielleicht ist Freiheit kein Zustand, sondern eine Entscheidung.


Hadil Shami

Das Leben einer Mutter

von Asma Ismaelzada

Hast du dich je gefragt, warum ich, als du noch ein kleines Kind warst, immer wieder deine Fußsohlen küsste? Von dem Moment an, als du deine ersten Schritte in mein Leben gesetzt hast, und noch viele Jahre danach, als ich dich Nacht für Nacht in dein Bett brachte.

Es war, weil du mit jedem deiner kleinen Schritte meinem Leben eine besondere Bedeutung geschenkt hast – die Ehre, Mutter zu sein. Eine Ehre, die das schönste Gefühl dieser Welt ist und zugleich ein Weg ins Paradies.

Mit jedem Kuss auf deine Fußsohlen legte ich all meine Liebe und mütterliche Zärtlichkeit in dich hinein, damit sie durch deine Adern bis zu deinem Herzen gelangt. Damit du spürst und niemals vergisst, dass deine Mutter dich nie allein lässt – dass sie immer in deinem Herzen lebt. So wie einst, als du in meinem Bauch warst, genährt von meinem Blut, während dein kleines Herz gemeinsam mit meinem schlug – manchmal sogar schneller. – Eine Mutter lebt im Herzen ihres Kindes weiter. Ihr Herz schlägt im Inneren des Kindes und bleibt stets wachsam, stets beschützend.

Mit jedem Kuss wollte ich dir die Kraft schenken, auf eigenen Füßen zu stehen, zu wachsen und deinen Weg im Leben zu gehen. Jeder Kuss machte deine zarten Füße ein wenig stärker, damit du standhaft bleibst – im Gehen, im Laufen und im Bestehen.

Und nun bist du erwachsen. Du gehst deinen eigenen Weg, stark und aufrecht, und stellst dich den Herausforderungen des Lebens. Heute küsse ich nicht mehr deine Fußsohlen – heute küsse ich deine Stirn. Und noch immer bin ich stolz auf dich. Stolz darauf, dass die Liebe und Kraft, die ich dir einst mitgegeben habe, in deinem Herzen weiterlebt und dich mit jedem Atemzug trägt.

Doch frage dich selbst:

Wenn deine Mutter heute krank ist  – bist du dann da?

Und küsst du, bevor sie einschläft, auch ihre müden Füße?

Asma Ismaelzada

2026

Kulinarische Entdeckung beim Jour Fixe

Salzburg, 1. Oktober 2025, 19 Uhr, Jour Fixe vom Verein HIKETIDES.


Wie jedes Mal kam wieder eine illustre Runde zusammen: Rund zwanzig Mitarbeiterinnen nutzten den Abend, um Neuigkeiten aus dem Verein zu erfahren, bekannte und neue Gesichter zu treffen und sich auszutauschen. Neben den Vorstandsmitgliedern nahmen auch Praktikantinnen, Dolmetscherinnen und mitarbeitende Therapeutinnen teil. Wir waren an diesem Abend eine bunte Mischung von
Menschen mit Wurzeln aus neun verschiedenen Ländern – gelebte Vielfalt also!
Ein besonderes Highlight war wie so oft der kulinarische Teil. Die Mutter unserer sudanesischen Dolmetscherin Fatma hatte uns erneut angeboten, uns mit traditionellenSpeisen aus ihrer Heimat zu verwöhnen.
Nach dem offiziellen Teil wurde also geschlemmt, geplaudert und gelacht. Fatma brachte Tamiyan – die sudanesische Variante von Falafel – sowie die
Süßspeise Legemat mit.

Neugierig probierten wir die kleinen goldbraunen Legemat, bissen hinein – und riefen fast gleichzeitig: „Das sind ja süße Bauernkrapfen!“

Erstaunt stellte ich fest, dass es viele tausend Kilometer entfernt eine fast identische Leckerei gibt. Ein nachfolgendes Gespräch mit Fatma ergab, dass sich die Zutaten ein wenig unterscheiden. Doch die Ähnlichkeit überwiegt.
So zeigte sich einmal mehr, dass Genuss verbindet – über Ländergrenzen hinweg.